Magendrehung bei Deutschen Doggen

Das Exclusivinterview mit Fachtierarzt Dr. Dietmar Schnötzinger und dem Weiße Schäferhunde - Journal

WS-Journal:

Herr Dr. Schnötzinger, die Magendrehung zählt zu einer gefürchtesten Hundekrankheiten. Was ist die Magendrehung?

Dr. Schnötzinger:

Bei der Magendrehung handelt es sich um einen Krankheitskomplex, der eine akute Erweiterung und eine Drehung des Magens umfasst. Die Krankheit verläuft sehr rasch führt ohne Behandlung nach wenigen Stunden zum Tode des Tieres. Eine rasch durchgeführte Notoperation kann jedoch das Leben des Hundes retten.

WS-Journal:

Deshalb scheint es besonders wichtig, dass der Tierbesitzer das Krankheitsbild erkennt. Welche äußere Veränderungen stellt ein aufmerksamer Hundebesitzer in solch einem Fall bei seinem Hund fest?

Dr. Schnötzinger:

Die Symptome treten häufig abends oder nachte auf, meist im Anschluss an eine reichliche Fütterung. Selten kann jedoch eine Magendrehung auch bei leerem Magen entstehen. Folgende äußere Krankheitssymptome kann der Besitzer erkennen: - Unruhe - Würgen und Brechen von zähem Schleim (Speichel) - zunehmende Aufblähung und Verhärtung des Bauches (wie ein Luftballon) - Damit gekoppelt steigende Atemnot - Zeichen einer Kreislaufschwäche (blasse Mundschleimhaut, Herzrasen, Taumeln, Zusammenbrechen)

WS-Journal:

Was kann ein Tierbesitzer unternehmen, wenn er diese Symptome festellt?

Dr. Schnötzinger:

Die Krankheitserscheinungen sind derart typisch, dass in den meisten Fällen eine Verdachtsdiagnose schon am Telefon gestellt werden kann. Kein Tierhalter sollte sich scheuen, unmittelbar - auch nachts - den tierärztlichen Notdienst zu konsultieren.

WS-Journal:

Warum muss man bei der Magendrehung sofort den Tierarzt aufsuchen?

Dr. Schnötzinger:

Durch die Drehung ist der Magenein und -ausgang verschlossen. Gärungsprozesse produzieren rasch Gase, welche den Magen " aufblasen " . Der überdrehte Magen und die Drucksteigerung im Bauch behindern die Atmung und den Blutfluss  im Bauchraum - Kreislaufversagen ist die Folge.

WS-Journal:

Mit welcher Erkrankung könnte man eine Magendrehung verwechseln ?

Dr. Schnötzinger:

Da die Symptome schlagartig einsetzen und rasch verschlechtern, vermuten viele Tierbesitzer eine Vergiftung.

WS-Journal:

Welche Hunderassen sind besonders gefährdet?

Dr. Schnötzinger:

Magendrehung tritt gehäuft bei großen Hunderassen auf, aber auch bei mittleren  und kleinen Hunderassen keine Seltenheit. Mit einem besonders hohen Risiko sind folgende Rassen behaftet: Deutsche Dogge, Molosser ( Mastiff, Bullmastiff usw. ) , Irish Wolfhound , Bernhardiner, Gordon Setter, Irish Setter, Weimaraner, Akita Inu. Wegen dem hohem Beliebtheitsgrad stellen bei unseren Patienten der Deutsche Schäferhund und Jagdhunderassen einen nicht unbeträchtlichen Anteil.

WS-Journal:

Herr Dr. Schnötzinger, wie häufig müssen sie Hunde mit Magendrehung behandeln?

Dr. Schnötzinger:

In unserer Klinik werden pro Jahr 10-25 Hunde operiert. Man schätzt, dass in den USA jährlich ca. 60 000 Hunde  an Magendrehung erkranken.

WS-Journal:

Unsere Leser wird sicherlich die Ursache der Magendrehung besonders interessieren.

Dr. Schnötzinger:

Die exakte Ursache der Magendrehung ist unbekannt, jedoch konnte man eine Reihe von Risikofaktoren identifizieren: - Alter: über sieben Jahre alte Hund haben das doppelte Risiko als Hunde aus der Gruppe der 2-4 jährigen - Rasse: das Risiko einer Rasse steigt mit dem Körpergewicht des Rassestandards - Brusttiefe: schlanke, tiefbrüstige Tiere sind mit einem höherem Risiko behaftet - Weitere wahrscheinliche Risikofaktoren sind: Stress, übermäßige Futteraufnahme, Hecheln mit häufigem Luftschlucken ( Häufung im Sommer ), übermäßige Wasseraufnahme ( Sommer, altersbedingte Nierenschwäche?, Gastritis? ) - Unsicherheit, aber häufig vermutete Ursache sind: leicht gärfähiges, verdorbenes Futter, hoher Sojaanteil im Futter?, Kutteln?, Bewegung nach dem Fressen? neuere Untersuchungen vermuten eine überhöhte Verfütterung von Kalzium bzw. unterschwellige Zwölffingerdarmentzündung, welch zu Magenentleerungsstörungen führen.

WS-Journal:

Nach ihrer Ausführung ist die häufig vermutete Ursache - Bewegung bei vollem Magen - nicht zutreffend?

Dr. Schnötzinger:

Wir erheben bei jeder Magendrehung eine ausführliche Vorgeschichte. Nur bei wenigen Hunden wurde uns über Bewegung bei vollem Magen berichtet. Dem Temperament älterer Hunde entsprechend ruhten die meisten Hunde nach der Fütterung.

WS-Journal:

Wie behandeln sie eine Magendrehung?

Dr. Schnötzinger:

Sofort nach  Erstellung der Diagnose punktieren wir den Magen mit einer 2mm starken Nadel und lassen Gas aus dem überblähten Magen. Diesen Nadelstich spürt der  Hund nicht, reduziert jedoch sofort den Überdruck in seinem Bauch, erleichtert den Schmerz und die Atmung und verbessert unmittelbar den Kreislauf. Nach der raschen Verabreichung von 1-2 Liter Infusionslösung ist der Patient narkosefähig. Nach Eröffnung des Bauches wird der Magen "zuruckgedreht" . Hierauf kann man einen Schlauch über den Rachen in den Magen schieben, Futter und Gase auspumpen und ihn nötigenfalls spülen. Wenn die Magendrehung einige Stunden bestanden hat, kann an der Drehstelle ein Stück der Magenwand abgestorben sein. In diesem Fall wird das Stück eingestülpt.

WS-Journal:

Wie verhindert man, dass sich der Magen bei der nächsten Gelegenheit wieder dreht?

Dr. Schnötzinger:

Bevor der Bauch geschlossen wird, befestigt man den Magen durch Nähte an der Bauchwand. Nach 2-3 Wochen ist der Magen mit der Bauchwand verwachsen und kann sich nicht mehr drehen.

WS-Journal:

Wie lange dauert diese Operation?

Dr. Schnötzinger:

Zeit ist Leben - je schneller alles erledigt ist, desto schneller erholt sich der Patient. Im günstigsten Fall ist nach 50-60 Minuten die Operation beendet. Nach 10-30 Minuten erwacht der Hund aus der Narkose.

WS-Journal:

Kann man den Hund sofort nach Hause transportieren? Welche Nachsorge ist notwendig?

Dr. Schnötzinger:
Der Patient muss sicherlich 1-2 Tage in der Klinik bleiben. Infusionen stützen seinen Kreislauf. Bei manchen Hunden treten einige Tage nach der Magendrehungsoperation Herzrhythmusstörungen auf, welche einer speziellen Behandlung benötigen. Wir beginnen am 2. Tag nach der Operation mit der Aufnahme von Wasser, ab dem 3. Tag werden die Hunde angefüttert. Die Gabe einer hochverdaulichen Diät, welche wenig Pflanzeneiweiß und mäßig Fett enthält, ist angezeigt.